Schimmelreiter

Ein Musical von Florenz & Michael Potthast
Basierend auf der gleichnamigen Novelle von Theodor Storm

Inhalt

Prolog

Völlig verstört betritt ein Mann, der nachts über den Deich geritten ist, den Dorfkrug und berichtet den Anwesenden von seiner unheimlichen Begegnung mit einem Reiter, der sich mit seinem Schimmel vom Deich hinab in die Flut gestürzt habe. Dies sorgt auch bei den Hörern für Aufregung. Als der Fremde nachfragt, wer denn dieser Schimmelreiter gewesen sein könne, erzählt der Schulmeister von Hauke Haien, der hier vor vielen Jahren das Amt des Deichgrafen ausübte:

1. Akt

Der Deichgraf Tede Volkerts mit seiner Tochter Elke, sein Großknecht Ole Peters, Hauke, der Sohn des Bauern Tede Haien und der Oberdeichgraf machen sich ein Bild von den laufenden Arbeiten am Deich. Sie beschwören ihren Zusammenhalt und ihre Entschlossenheit, alle Kräfte für den Schutz der Küste einzusetzen. Hauke Haiens Vater Tede macht sich Gedanken über die Zukunft seines Sohnes, der am liebsten auf dem Deich sitzt oder Bücher über Küstenschutz und Deichbau studiert. Tede fragt seinen Freund, den Deichgrafen Tede Volkerts, ob er Hauke als Knecht einstellen könne, was Volkerts ihm in Aussicht stellt. Die alte Trine Jans, die früher Dienstmagd bei Volkerts war und jetzt auf dem Deich wohnt, stürzt in Haiens Haus und entrüstet sich darüber, dass Hauke ihren Kater getötet habe. Dieser erklärt das damit, dass er sich gegen das aggressive Tier habe wehren müssen, als es versucht habe, ihm einen toten Vogel zu entreißen. Tede gibt Trine als Entschädigung für den Verlust der Katze etwas Geld und versucht sie zu beruhigen. Sie aber wünscht Hauke zum Teufel. Hauke wird von Tede Volkerts als Kleinknecht eingestellt. Zusammen mit Elke, der Tochter des kränkelnden Deichgrafen, hilft er diesem auch bei seinen Schreibarbeiten, was den Unwillen des Großknechts Ole Peters hervorruft, der sich beim Deichgrafen darüber beschwert, dass Hauke sich vor den Arbeiten auf dem Hof drückt. Elke, die Haukes Interesse für den Deichbau und seinen Sachverstand schätzt, stellt sich voll hinter ihn und vermutet hinter Oles Auftreten nur Neid und Eifersucht, denn ihr ist nicht verborgen geblieben, dass der Großknecht ein Auge auf sie geworfen hat. Beim alljährlichen Boßelwettkampf zwischen den Geest- und den Marschbewohnern gelingt Hauke der Siegeswurf für seine Mannschaft, obwohl Ole, der als Schiedsrichter fungiert, ihn beim Wettkampf benachteiligt. Der Deichgraf gratuliert Hauke und teilt ihm mit, dass Ole seinen Dienst bei ihm quittiert und die reiche Vollina Harders geheiratet habe. Volkerts bietet Hauke die Stelle des Großknechts an, was dieser mit Freuden annimmt. Hauke erzählt Elke, dass er sich während des Boßelwettkampfs mit Trine Jans versöhnt habe. Kurz nachdem Tede Volkerts verstorben ist, ringt auch Haukes Vater mit dem Tod. Er vermacht seinem Sohn sein Gespartes und ein Stück Land, das ihm selbst von einer guten Bekannten vermacht wurde. Er wünscht Hauke und Elke, deren enge Beziehung er bemerkt hat, eine gute gemeinsame Zukunft. Dann schließt er für immer die Augen. Bei der Trauerfeier für Tede Volkerts bringt der Oberdeichgraf die Frage der Amtsnachfolge ins Spiel. Jewe Manners, der älteste Deichgevollmächtigte, lehnt dies wegen seines Alters ab und schlägt zugleich Hauke Haien als Volkerts Nachfolger vor. Als Elke erklärt, ihr väterliches Erbe gehöre auch Hauke, weil sie nur ihm das Amt zutraue, steht seiner Ernennung zum Deichgrafen nichts mehr im Wege. Hauke schenkt Elke einen Verlobungsring. Sie versichern sich ihre Liebe und gegenseitige Unterstützung und planen ihre baldige Hochzeit.  Jahre später verfolgt Hauke den Bau eines neuen Deiches, dessen flaches meerseitiges Profil einer Sturmflut wesentlich besser standhalten kann als der bestehende Deich. Dieser Plan stößt jedoch bei den meisten Gevollmächtigten auf Ablehnung. Besonders Ole Peters tut alles, um Hauke und seine Arbeit in ein schlechtes Licht zu rücken. Als Haukes Knechte Iven und Carsten auf dem Deich sitzen, sehen sie auf der Hallig Jeverssand einen Schimmel grasen. Carsten rudert hinüber, kann das Pferd aber nicht entdecken. Hauke hat auf dem Markt von einem Fremden einen heruntergekommenen Schimmel gekauft, dessen Anblick Carsten an das Pferd auf der Hallig erinnert. Der Schimmel mit seinen feurigen Augen wird Carsten immer unheimlicher. Außerdem sei das Pferdegerippe, das schon immer auf Jeverssand gelegen habe, seit dem Tag verschwunden, an dem Hauke seinen Schimmel erworben habe. Carsten kündigt bei  Hauke und tritt in Ole Peters Dienst. Dieser ist überzeugt, dass er selbst das Deichgrafenamt verdient gehabt hätte und dass Hauke es nur durch die Hochzeit mit Elke bekommen habe.

2. Akt

Hauke verkündet, dass der Bau des neuen Deiches nun endlich genehmigt sei, was bei den Gevollmächtigten Bedenken und Kritik auslöst. Hauke stellt ihnen noch einmal die Vorteile dieses Deiches vor Augen und fordert sie auf, das Projekt zu unterstützen. Er selbst stürzt sich jetzt noch mehr in seine Arbeit, so dass Elke bei einem Besuch des Pastors ihre Sorge äußert, er könne seine Kräfte überschätzen. Nach neun Ehejahren bringt Elke eine Tochter zur Welt und Hauke verspricht ihr, sich jetzt mehr Zeit für die Familie zu nehmen, doch die Arbeiten am Deich erfordern immer stärker seine Anwesenheit und Kontrolle. Als die Arbeiter nach alter Tradition einen Hund lebendig im neuen Deich eingraben wollen, bezeichnet Hauke dies als Aberglauben und verbietet es ihnen. Endlich kann der neue Deich eingeweiht werden und der Oberdeichgraf lobt Haukes unermüdlichen Einsatz für dieses Bollwerk, das in den nächsten hundert Jahren allen Stürmen standhalten werde. Nach einiger Zeit treten am alten Deich Schäden auf und Hauke möchte auch diesen mit einem flacheren Böschungsprofil ausstatten, was Ole jedoch aus Kostengründen ablehnt. Hauke lässt sich auf den Vorschlag ein, die Schadstellen lediglich mit Soden auszubessern. Unmittelbar vor ihrem Tod macht Trine Jans geheimnisvolle Andeutungen, die auf eine bevorstehende Katastrophe hinweisen. Auch die Magd Ann-Grete berichtet von unheimlichen Ereignissen, die nichts Gutes zu bedeuten hätten. Doch Elke tut dieses Gerede als puren Aberglauben ab. Bei einer gewaltigen Sturmflut beschwört Hauke seine Frau und das Gesinde, den sicheren Hof nicht zu verlassen. Er selbst treibt seinen Schimmel auf den Deich. Dort muss er hilf- los mit ansehen, wie die Fluten den Deich an der Stelle durchbrechen, die nur provisorisch ausgebessert wurde. Er bemerkt, dass seine Frau und seine Tochter ihm entgegenkommen und vom Wasser verschluckt werden. Da treibt er sein Pferd die Böschung hinab, der todbringenden Flut entgegen.

Epilog
Die Erzählung des Schulmeisters endet, die anwesenden Gäste fragen sich, ob die Erscheinung ein unheilvolles Vorzeichen war – oder nur Fantasie.

 

Schimmelreiter - Erste Präsentation im Schmidt-Theater Hamburg ("Creators") mit Michael Przewodnik & Mathias Meffert.
Schimmelreiter – Erste Präsentation im Schmidt-Theater Hamburg („Creators“) mit Michael Przewodnik & Mathias Meffert.